Woche 12: Hans Albers, Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise

Zurück von der Kreuzfahrt. Das Leben ist kein Ponyhof. Nimm uns mit, Käpt’n James. Am Samstagabend ist mit einem rauschenden Captain’s Dinner unsere Kreuzfahrt zuende gegangen. Seit Dienstag waren wir für fünf Tage unterwegs, von Italien aus nach Syrien, dann durch den Suezkanal nach Indien und über die Karibik wieder zurück. Ein paar Tage einfach mal was anderes sehen, riechen, schmecken. So wichtig. Wie sang Hans Albers einst: Nimm uns mit, Kapitän, auf die Reise Nimm uns mit in die weite, weite Welt Wohin geht, Kapitän, deine Reise? Bis zum Südpol,…

Woche 11: Willy Astor, Donnersberger Brück‘n

[Bavarian Edition] Urlaub im heilklimatischen Luftkurort. Kleiner Ausflug in die (Bau-)Historie. Ein Lied für einen Fußballverein. Wenn jetzt nicht grad Pandemie wäre, wären wir im Skiurlaub. Aber, um es mit den Worten des großen Dichters Lothar Matthäus zu sagen: „Wäre, wäre, Fahrradkette“ – wir sind nicht im Urlaub und „Skiurlaub“ kann man diese schul- und arbeitsfreie Zeit im Januar schon seit einiger Zeit nicht nennen, zum einen, weil man die Abfahrtsski-Gegner nicht gleich zu Anfang eines Jahres und Textes verärgern möchte, zum anderen, weil klimatische Veränderungen schon seit mindestens zwei…

Woche 9: Colin Hay, Next Year People

Nächstes Jahr wird alles gut.  Hay ist Englisch für Heu. Von Ideen, die nicht großartig sind. Nächstes Jahr wird alles gut. In den Tagen „zwischen den Jahren“ hört man diesen Satz auch nach einigermaßen okay verlaufenen zwölf Monaten schon häufig. In diesem Dezember 2020 nimmt das inflationäre Züge an. Andererseits kann man diesen Satz, der auch hier schon zweimal gefallen ist, gegenwärtig gar nicht oft genug hören. Und selten war die Erfüllung des dahinterstehenden Wunsches wahrscheinlicher als für das Jahr nach 2020, auch wenn sicher nicht „alles gut“ wird. Für…

Woche 10: Billy Joel, Vienna

[Austrian Edition] Herr Joel gibt sich die Ehre. Alles fügt sich. Gibt es ein Österreich jenseits des Klischees? Ganz bestimmt. Aber wo? Jedenfalls nicht innerhalb des Erfahrungshorizonts des Verfassers. Das ist nicht böse gemeint, es ist nur so, dass ich Österreich immer dann und dort erfahre, wo es am „Österreichischsten“ ist: Im Winter beim Skifahren, im Sommer in den Bergen und unterjährig ab und an in Wien. Also vermutlich dort, wo es doch am wenigsten Österreichisch ist. Wie dem auch sei, jedenfalls komme ich nicht umhin, in Österreich folgende Beobachtungen…

Woche 8: Die Crackers, Phonhaus

Das Adjektiv als stilistisches Mittel zur Emphase. Vom Einzählen bis Vier. Ein flammender Aufruf, trotz möglicher Einwände. Liebe Hermeneutikerin, lieber Hermeneutiker, in unserer kleinen Reihe „Hermeneutik hessischer Harmonie-Heroen“ begeben wir uns heute auf einen Streifzug durch das Frühwerk einer Gruppierung, die nicht nur eine überragende Rolle in ihrem originär geographisch begrenzten Wirkkreis im populär-kulturellen Segment der Unterhaltungsmusik innehatte, sondern – zu ihrer Zeit, einem Damals, das heute mehr denn je gefühlt in unbestimmter Ferne liegt, das uns aber stets gegenwärtig sein sollte  – den Sprachgebrauch und damit das Denken der…

Woche 7: Faith No More, Ashes to ashes

Ut omnes unum sint. Die empfangsbedürftige Willenserklärung. Über Toleranz zur Akkulturation. „Ut omnes unum sint“, „Dass alle eins seien“ ist der Wahlspruch der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, er prangt über dem Eingang unter dem Turmbau der (ehemaligen) Flak-Kaserne, dem Durchgang zum Forum. Rechts unterhalb des Turmes war damals das Studentenbüro oder sowas, jedenfalls hatte ich mich dort einzuschreiben. Zu einem Wintersemester vor unerdenklich langer Zeit schritt ich also zum ersten Mal unter diesem Spruch hindurch auf den Campus meiner Alma mater. Von dessen Existenz und Bedeutung hatte ich allerdings damals noch nichts…

Woche 6: Ernst Neger, Heile heile Gänsje

Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht. Besser spät als nie. Vom Lachen und vom Weinen. Ach, schee war’s widder: Freitag nach Altweiberfassenacht „live aus dem Kurfürstlichen Schloss“ und dann der Narhallamarsch, die Marketenderinnen, die Kadettscher und die Garden auf der großen Bühne, der Elferrat, die launige Einleitung des Sitzungspräsidenten, Tusch, die Bütt wird aufgebaut und alles geht seinen Lauf wie schon seit so langem. Heile, heile Gänsje, es is bald widder gut. Es Kätzje hot e Schwänzje, es is bald wieder gut. Heile, heile Mausespeck, in hunnert Jahr ist…

Woche 5: Air, Sexy Boy

Alles hängt zusammen. Tiefe ist eine Frage der Sichtweise. In Wien gibt es zehn hübsche Frauen. Das elektronische Äquivalent zu einer Talkbox setzt unvermittelt ein, dann kommt der Drumcomputer und irgendwie hat man das Gefühl, die ersten zwanzig Sekunden von dieser Bon Jovi-Nummer übersprungen zu haben, dabei ist es ein anderes Lied, eine andere Band und eine andere Dekade. Es sind nicht die 80er, es sind die ganz späten 90er. Und doch besteht ein mysteriöser Zusammenhang: Stellt man 98, das Jahr des Erscheinens von Sexy Boy, auf den Kopf, hat…

Woche 4: The Sisters of Mercy, Under the gun

Geborgte Namen, wo man hinschaut. Ein Drumcomputer ist auch nur ein Mensch. Trockeneis ist festes Kohlenstoffdioxid. Vier Menschen auf zwei Pferden reiten durch eine Neuansiedlung im  Wilden Westen. Der dichte Baumbestand, der malerische Sonnenuntergang und das sprudelnde Wasser im Gegenlicht sind die eine Seite, die Knochenarbeit, mit der der Mensch sich jede Parzelle, jeden Quadratmeter von der Natur erkämpfen, ertrotzen, erarbeiten muss, die andere. Die Härte der Lebensumstände wird eindrücklich, als sich die sanfte Stimme Leonard Cohens sphärisch über der Szenerie legt: Oh The Sisters of Mercy, they are not…

Woche 3: Simply Red, Fairground

Genießen Sie Auerbachs Keller von außen! Mick Hucknall trifft es. Die Bahn kann nichts dafür. Driving down an endless road Ermattet von langer Reise und voll des guten Weines von der Saale blickt der Handlungsreisende aus dem Herbergsfenster auf die Thomaskirche zu Leipzig und fragt sich, was zum Kuckuck denn hier schiefgelaufen ist? Ich wollte doch längst zuhause sein, 17:44 Einfahrt des ICE am Frankfurter Hauptbahnhof und dann ab in die Landeshauptstadt zu den daheimgebliebenen Lieben. Und jetzt bin ich schlussendlich in Leipzig angekommen; hier kam die lustige Zuglautsprecherdurchsage, dass…